Die Kunst des Sprechens

Von Lauten und Klingern

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Sie kennen das sicherlich auch. Sie sind in ein Gespräch vertieft und Ihre Gedanken formen eifrig ein mehr oder weniger strukturiertes Wortensemble mit Hilfe der erlernten Sprache. Erst jetzt werden die zu Sätzen ausformulierten Gedanken an das Sprachzentrum weiter gegeben um sie dann endlich über Ihre Stimme an den Gesprächspartner zu richten. Das funktioniert mehr oder weniger gut, je nachdem, wie die Aussprache erlernt wurde und auch wie stark regionale Mundarten zu einer Verfälschung der Klangbildung von Vokalen und Konsonanten, sowie deren Kombinationen geführt haben. Sicherlich spielt auch die Tagesform eine Rolle dabei, ob die Sprachausgabe gut oder weniger optimal gelingt. Bei ungünstigen Buchstabenkombinationen kann es dann neben unverständlichen Wortendungen auch zu dem berühmten „Knoten in der Zunge“ kommmen, bei dem das vorab im Hirn Erdachte nicht mit dem tatsächlich Gesprochenen übereinstimmt. Das ist menschlich und passiert jedem von Zeit zu Zeit einmal.

 

Darsteller2

Vorrangiges Ziel der Sprache ist es natürlich, sich verständlich zu machen. Nur dann kommt die Botschaft beim Empfänger an. Deshalb ist auch für einen Theaterdarsteller das Werkzeug Sprache von entscheidender Bedeutung. Um die Sprache, vor allem die Aussprache, zu schulen, gibt es spezielle Sprechübungen, die im Profibereich bei Schauspielern, Sängern, Rednern, usw. zu einem elementaren Grundlagentraining gehören. Als Laienschauspieler sind wir in der Regel nicht in dieser Weise geschult, sondern greifen auf die im alltäglichen Umgang erlernte und erfahrene Sprachkultur zurück. Das klingt zwar oftmals sprachlich nicht so professionell, dafür ist die Wirkung aber vielfach authentischer und näher an den Leuten; das ist sympathisch.

Trotzdem wir Theater zwar mit Leidenschaft, aber eben nur hobbyweise spielen, möchte ich Ihnen einige kurze Sprechübungen, sei es zu Ihrem Amüsement oder auch zu „ernsthaften Übungszwecken“, nicht vorenthalten (aus „Der kleine Hey – Die Kunst des Sprechens“, nach dem Urtext von Julius Hey, neu bearbeitet und ergänzt von Fritz Reusch, 1997 Schott Musik International, Mainz):

Doppellaut AI – EI
Der Mai treibt weiße Zweigelein,
Kein eis’ger Reif in weitem Hain! –
Ein Waidmann weilt einsam beim Teich,
Es schreit ein Meislein im Gezweig,
Daß weit wie breit sei Maienzeit!

Klinger L
Lang lauscht Lilli – endlich lieblos lächelnd
Lallt sie leise:
„Lautlos Lallas, log dein Loblied! –
Lebe, liebe, leidlich löblich!
Lisple, lieblich, Liebeslallen;
Lächeln ließ mich längst solch Liebleids Langweil!“

Klinger R
Erzitternd gewittern
Schmetternd erschütternde Schauern!
Kletternd und kauernd,
Wandernd und lauernd;
Wimmernd zähnklappernde Bauern!

Reibelaut vorderes CH
Nicht schlechte Wächter scheuchen
Wichte, welche frech lächelnd,
Ziemlich bezecht – möchten flüchtig entweichen.
Schüchtern, verächtlich, gleich Kätzchen weich schleichen,
Sichtlich gemächlich, recht heuchelnd sich fächelnd.

Reibelaute SP – SCH
Specht, Spatz, Sperber sprangen spornstreichs,
Spottend Spangen, Sparren, Sprossen,
Spät aus spitz’gen Speichers Spalte
Speis und Speck im Spinde spähend,
Schießen schleunig, schier verschwindend,
Schlangenschleichend, scheu und schlurfend,
Schnell zum schmalen Schlossesschornstein,
Schrillen Schreis den Schloßschenk schreckend!

Reibelaute F, V
Fischfrevler Franz fing frech
Vorm Flußfall fette Fünffingerfische.
Vier fichtne, feste Fischfässer
Faßten vollauf den Fang –
Viele freilich flitzten flott davon!

Verschlusslaut K
Kummerkrank kauernd – kaum karge Kost,
Krummgeknebelt – kalte Kette des Kerkers;
Keine Kunde vom kranken Kinde –
kommt kecker Kerl und kündet
Kühnem Krieger künft’gem Kampf!

Also starten wir in die neue Theatersaison 2015 – die Proben haben bereits begonnen!

 

 

 

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