Schauspiel-Workshop für unsere Theatergruppe

„Jetzt stellt ihr euch bitte ganz locker hin, Beine hüftbreit, lasst ganz langsam den Oberkörper nach vorne fallen und schwingt dann in einer fließenden Bewegung die Arme von links nach rechts durch.“
Man könnte jetzt meinen, die Übungsanweisung eines Trainers bei einem Fitnesskurs erhalten zu haben. Weit gefehlt, es ist alles ganz anders!

Herr Moeck stellt den Ablauf des Theaterworkshops vor

Kurz vor Weihnachten hat die Kolping-Theatergruppe Kärlich Herrn Thilo Moeck zu einer außergewöhnlichen Theaterprobe eingeladen. Herr Meck ist Dozent der Schauspiel- und Ballettschule Theater & Co. in Neuwied. Die eingangs eher wie Aerobic anmutende Übung ist tatsächlich der erste wichtige Teil zur Vorbereitung einer schauspielerischen Darstellung. Bevor wir nämlich unsere Stimme und unseren Körper vernünftig einsetzen können, müssen wir unsere Muskulatur lockern und dehnen. Unser Körper funktioniert als eine Einheit und so verwundert es letztlich nicht, wenn wir ihn durch ein gezieltes Übungsprogramm auf ganz bestimmte Aufgaben vorbereiten müssen. Dadurch werden wir nämlich erst in die Lage versetzt, tief in den Bauch zu atmen und unserer Sprache „freie Bahn“ zu geben, damit sie nicht durch Fehlhaltungen und Dysbalancen unserer Organe förmlich abgeklemmt und die Stimmfarbe durch ein unschönes „Flattern“ verfremdet wird.

In einem nächsten Schritt unseres 3-stündigen Workshops haben wir an unseren Stimmen gearbeitet. Für die Verständlichkeit beim Zuhörer ist eine möglichst gleichmäßige Stimmenlautstärke der Akteure von besonderer Bedeutung. Das kann mit zahlreichen Übungen geschult werden, die unsere Atemtechnik, die Aussprache, Betonungen und Endungen, sowie den Rhythmus trainieren. Ein Beispiel sei mit dem langgezogenen „Mooooh“ gegeben, welches in einem Atemzug förmlich mit der Hand aus dem Mund gezogen wurde. Bei einem Ungeübten hört man auch sofort das „Flattern“ in der Stimme, das mit etwas Übung dann aber weniger wird.
Das Schöne bei den Übungen ist der große Spaßfaktor, vor allem innerhalb der Gruppe. Wer hat schon einmal gemeinsam mit 10 Leuten zu einem vorgegebenen, ständig schneller werdenden Takt, immer wieder ein lautes „P“ in den Raum geworfen und dies gestisch mit einer ausstoßenden Handbewegung unterstützt. Es ist sicherlich unbestreitbar, dass üben und lernen mit Spaß motivierend ist und leichter fällt.

Vertrauensübung Körperrollen

Nach Halbzeit unseres Workshops erhöhte sich der Spaßfaktor weiter, als es an die Partnerarbeit ging. Zunächst schauten wir uns alle in der Gruppe etwas ungläubig an, als wir vom Kursleiter den Auftrag erhielten, uns zügig als Gruppe im Raum zu bewegen und jeder für sich dann eine freie Stelle in diesem Raum ansteuern sollte. Was auf uns anfangs ziemlich albern wirkte, stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Keiner aus der Gruppe wusste ja, wo der Einzelne hin lief. Es kam dann auch zu ungewollten „Zusammenstößen“ und „Knäuelbildungen“. Das ist bei einer Theaterinszenierung unbedingt zu vermeiden und kann gerade mit einer solchen Übung zur Raumwahrnehmung geschult werden.

Vertrauensübung KörperrollenIm Rahmen der Partnerarbeit war auch das Thema Vertrauen von großer Bedeutung. Neben der Selbstwahrnehmung ist es beim Zusammenspiel mit einem Partner unerlässlich, diesem zu vertrauen und untereinander auch keine Berührungsängste zu haben. Spezielle Übungen im Zweier-Team waren dafür sehr hilfreich. Jeweils einer im Team stellte einen bewegungslosen Körper dar, der sich auf dem Boden liegend ohne eigene Mithilfe durch den stehenden Partner mit dessen Füßen durch den Raum „rollen“ lassen musste. So etwas kann nur gut funktionieren, wenn beide Partner den jeweiligen Handlungen des Anderen vertrauen können, damit das Spiel authentisch wird.

Im letzten Teil des Workshops wurde das gegenseitige Vertrauen und Aufeinandereinlassen auf eine erneute Probe gestellt. In zwei szenischen Darstellungen musste kräftig improvisiert werden. Zum Einstieg wurde jedem Paar eine grobe Rahmenhandlung vorgegeben, das Spiel selbst musste dann aber spontan erfolgen. Ein „Bewusstloser“ war den Ideen des „Auffinders“ zu seiner Reanimation ausgeliefert.

Improvisationstheater auf einer Parkbank

Als Steigerung und auch Höhepunkt wurde dann die zweite Improvisationsübung deutlich verschärft. Zwar gab es auch hier eine einheitliche Vorgabe in Form einer Parkbank als Handlungsort, aber jeder aus der gesamten Gruppe sollte sich einen Charakter geben, der nur ihm selbst bekannt bliebe, bis er innerhalb der improvisierten Spielszene auf den des Spielpartners traf. Das war dann auch eine echte Herausforderung, der sich aber jeder aus der Gruppe mit überraschenden Spielideen und mit viel Engagement gestellt hat.
Nach der Anspannung folgte zum Abschluss des Kurses noch eine kleine Übung zur Entspannung von Körper und Geist.

Am Ende waren alle erschöpft und sich dennoch einig: Der Workshop hat sehr viel Spaß gemacht. Eine runde Sache also, die Lust auf mehr gemacht hat. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Die Teilnehmer haben Herrn Moeck dankbar und gut gelaunt verabschiedet. Im Nachhinein habe ich mir als Laie schon verwundert die Augen gerieben und bei mir gedacht: „Das alles hätte ich niemals mit Schauspielschulung in Verbindung gebracht“. Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung für unsere Theatergruppe.

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