„Die liebe Familie“

Lustspiel von Felicity Douglas

In der Londoner Familie Hammond geht es ziemlich turbulent zu. Trotz des sehr aufreibenden Familienlebens mit seinen ständigen häuslichen „Katastrophen“ hat Laura neben ihren vielfältigen Pflichten als Hausfrau, Mutter und Großmutter aber noch Zeit gefunden, einen Roman zu schreiben. Das Buch wird unerwartet ein großer Erfolg und soll sogar verfilmt werden. Um das Drehbuch zu schreiben, reist Laura für ein halbes Jahr nach Hollywood. Während ihrer Abwesenheit geht es im Hause Hammond noch chaotischer zu als sonst. Als Laura nach erfolgreicher Uraufführung ihres neuen Stückes am New Yorker Broadway schließlich nach London zurückkehrt, hat sich zu Hause vieles verändert…

Besetzung
Laura (Claudia Stock); Charles (Joachim Stock); Grannie (Monika Degen); Tessa (Marion Schaust); John (Thomas Brockhoff/Patrick Acher); Anne (Gabi Stock); Stephen Hodge (Thomas Anheier); Tony Hurford (Jörg Brockhoff); Barbara Dixon (Heidrun Gräf); Miss Bolton (Daniel Dötsch)

Thomas Anheier, Claudia Stock


Zur Bearbeitung des Stückes:

Das Stück gleicht an vielen Stellen dem Strickmuster der heutigen trivialen Fernsehunterhaltungsserien: Sprachstil und Handlungsschablone bilden die Zutaten für eine klischeehafte Scheinwelt jenseits der Realität in fünf Akten (= fünf Folgen). So lösen z. B. bei der im Mittelpunkt stehenden Familie alle Konflikte fast von selbst.

Aus diesem Grund bemühten wir uns, das Stück zur Parodie auf triviale Fernsehunterhaltungsserien zu bearbeiten. Einige von uns erinnerten sich an unsere erste Produktion „Das Millionending“ (1979) – sie war eine Parodie auf den Groschenroman. Damals machten wir mit dem Stück aufmerksam auf Kitsch in der Trivialliteratur.

Ähnlich wie beim „Millionending“ beabsichtigen wir heute mit unserer neuen Produktion die Zuschauer zu unterhalten und gleichzeitig über das vordergründig Komische hinaus den Kitsch in Fernsehserien zu entlarven. Dabei versuchen wir mit besonderen Verfremdungseffekten in einzelnen Szenen die Parodie zu verstärken und damit den ernsthaften Hintergrund aufzuzeigen. Text, Musik, Gesang und Beleuchtung sollen diese Absicht unterstützen. Ein „Kommentator“ beispielsweise wird dem Publikum helfen, Inhalt, Struktur, Gehalt und Sprache der Fernsehserien zu erschließen.

Wir waren und sind uns alle bewusst, dass unser Vorhaben ein hartes Stück Arbeit werden würde, wenn so etwas leicht und spritzig auf die Bühne kommen soll. Noch nie wurden an die Spieler unserer Gruppe solch hohe Anforderungen gestellt, denn das bearbeitete Stück lebt von der Präzision: Geste und Bewegung müssen stimmen. Deshalb waren auch die Proben manchmal ziemlich anstrengend, da jedes Detail wirkungsvoll erarbeitet und ausgefeilt werden musste.

Dennoch machte uns die Probenarbeit sehr viel Spaß – nicht zuletzt auch deswegen, weil jeder eigene Ideen einzubringen vermochte. Man kann nur hoffen, daß sich unser Publikum von unserer Begeisterung anstecken läßt.

(aus dem Programmheft von 1988)

 

 

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