„Die Mausefalle“

Kriminalstück von Agatha Christie

In London wird eine Frau ermordet. Der Täter ist flüchtig, die Polizei hat die Fahndung aufgenommen. An diesem Tag eröffnen Mollie und Giles Ralston ihre kleine Pension „Monkswell Manor“. Sie erwarten ihre ersten vier Gäste, die bei starkem Schneefall nach und nach eintreffen. Unter einem Dach sind letztlich sieben Menschen höchst unterschiedlichen Naturells auf engstem Raum zusammen. Die Radiomeldung über den flüchtigen Mörder, der Anruf einer Polizeistation, ein Sergeant Trotter sei auf dem Weg zur Pension, und das beklemmende Gefühl, durch die Schneemassen von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, lassen die schlechte Stimmung bei Gastgebern und Gästen immer gereizter werden. Tatsächlich trifft trotz Unwetters der Polizeibeamte Trotter in der Pension ein. Er nimmt sofort seine Ermittlungen auf, denn die Spur des Londoner Frauenmordes führt direkt nach Monkswell Manor. Das Gästehaus ist eine „Mausefalle“, in der nicht nur weitere Mordopfer, sondern auch der Mörder selbst gefangen sind. Jeder ist verdächtig, aber: wer ist das nächste Opfer, wer der Mörder? Der Schlüssel zu diesem Rätsel liegt in der Vergangenheit der Menschen in Monkswell Manor…

Besetzung
Mollie Ralston (Claudia Stock); Giles Ralston (Thomas Brockhoff); Christopher Wren (Joachim Stock); Mrs. Boyle (Marion Schaust); Major Metcalf (Patrick Acher); Miss Casewell (Birgit Andernach); Mr. Paravicini (Thomas Krämer); Sergeant Trotter (Hermann J. Emmerich)

Thomas Krämer


Zur Autorin:

„Seit Lucrezia Borgia hat keine Frau so viel mit Morden verdient wie sie!“ hat ein amerikanischer Kritiker gesagt. Gemeint ist die große alte Dame des Krimis, Agatha Christie.

Agatha Christie wusste nicht, wieviel sie verdiente, sie wusste nur, dass sie jedes Jahr zwei Kriminalromane schreiben wollte. Und das hat sie seit undenklichen Zeiten getan. Ihre besten Ideen kamen ihr im Bad. Darin lag sie oft stundenlang, bewaffnet mit zahlreichen Äpfeln, die sie langsam verspeiste. Und dabei reiften die Einfälle.

1891 wurde sie im vornehmen britischen Badeort Torquay als Agatha Mary Clarissa Miller geboren. Sie wuchs auf, wie vornehme britische Töchter aufzuwachsen pflegten. Agatha wurde privat erzogen. Und schon im Kindesalter schrieb sie kleine Geschichten. Ihre trotz eines amerikanischen Vaters so britische Kindheit mit Kindermädchen, Teatime und Landpartien sollte sie nicht mehr abschütteln können. Schließlich war da noch die Ära der Queen Victoria, die in ihren Romanen immer wieder heraufbeschworen wurde: Die großen Familien auf ihren Stammsitzen, die pensionierten Offiziere aus den Kolonien, die Reichen in ihren Clubs. Noch immer war England der Nabel der Welt.

Mit 16 kam Agatha nach Paris, um Musik und Gesang zu studieren. Kaum 23jährig heiratete sie Archibald Christie, einen Lebemann und Oberst des Königlich Britischen Fliegercorps. Kurz bevor der Erste Weltkrieg zu Ende ging, wurde sie Krankenschwester, pflegte Verletzte in England und Frankreich.

Damals schrieb sie ihren ersten Kriminalroman („Die geheimnisvolle Affäre bei Styles“). Anlass zum Krimischreiben war ein Seufzer ihrer Schwester, es gebe keinen Kriminalroman, wo sie nicht schon nach den ersten Seiten den Täter kenne. Mit jedem ihrer Kriminalromane widerlegte Agatha Christie die Meinung ihrer Schwester gründlich. Den Durchbruch schaffte sie jedoch erst fünf Jahre später mit dem Krimi „The Murder of Roger Ackroyd“. Seine verblüffende Lösung: Mrs Christie entlarvte zum guten Schluss den Erzähler ihrer Story als Mörder.

Wer war der Mörder? Dieser Frage widmete die Autorin über 80 Romane, die in über 400 Millionen Exemplaren fast überall auf der Welt verbreitet sind. Nur die Bibel und Lenins gesammelte Werke haben höhere Auflagen, Shakespeare ist längst überrundet.

Ihr Stil ist einmalig und unverkennbar. Alle Bücher von Agatha Christie zeichnen sich durch einen menschenfreundlichen, liebenswerten Humor aus, der die Schrecken der Ereignisse mildert und die Lektüre zu einem vergnüglichen, intellektuellen Puzzlespiel werden lässt. Obwohl es immer auch ein Spiel mit dem Tod ist, sind Grausamkeit oder Brutalität ihren Geschichten fremd. So verkörpern ihre Helden auch nicht die kantigen Draufgänger mit den harten Fäusten oder verbitterte Einzelgänger, sondern lebensbejahende, neugierige, mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit und das Normale ausgestattete Alltagsmenschen – kleine Schwächen eingeschlossen. Das macht diese Figuren – ob es die schrullige Miss Marple oder der eitle Poirot ist – beim Leser wohl auch so beliebt. Eigentlich sind die Charaktere der Agatha Christie immer etwas altmodisch, aber sie wirken nicht antiquiert, bestenfalls nostalgisch, und zumeist werden sie als ein wohltuender Kontrast zu den Krimihelden unserer Zeit empfunden.

Wer ist der Mörder?
Mrs. Christie, die am 12. Januar 1976 in ihrem Haus in Devonshire gestorben ist, hat bis zuletzt gearbeitet. Noch zu ihrem 85. Geburtstag erschien ein neues Abenteuer mit ihrem famosen Detektiv Hercule Poirot.

Unzählige ihrer Kriminalromane wurden verfilmt, am bekanntesten wohl „Zeugin der Anklage“ mit Marlene Dietrich und „Mord im Orient-Express“. Vielleicht am bekanntesten machte Agatha Christie aber ein Bühnenstück. Am 25. November 1952 begann im Londoner Ambassadors Theatre ein inzwischen legendär gewordenes Kriminalstück der damals schon berühmten Schriftstellerin zu laufen, das seitdem ununterbrochen gespielt wird und damit einen Rekord in der Geschichte des Theaters hält: „Die Mausfalle“.

Das Stück fand auch in anderen Ländern sehr schnell eine enorme Verbreitung und gilt heute als berühmtestes und typischstes Stück seiner Gattung. Warum es nach vier Jahrzehnten Spieldauer für das Londoner Publikum immer noch attraktiv ist, läßt sich nicht eindeutig sagen. Eine Erklärung gab Agatha Christie selbst: „Es gehört zu jener Art von Stücken, in die man jeden mitnehmen kann. Es flößt nicht wirkliche Angst ein, es ist kein Schauerstück und keine ausgesprochene Farce, aber es hat ein wenig von alledem, und das befriedigt vielleicht die verschiedensten Ansprüche.“

„Die Mausefalle“ ist in 42 Ländern gespielt und in 22 Sprachen übersetzt worden. Allein in London hat das Stück mittlerweile über 15000 Aufführungen vor etlichen Millionen Besuchern erlebt und ein Ende ist noch längst nicht abzusehen. Dabei hat das Acht-Personen-Stück schon über 200 Schauspieler „verbraucht“. Es gibt Besucher, die das Stück das erste Mal als Unverheiratete, das zweite Mal mit ihren Kindern und zum dritten Mal mit dem ersten Enkel gesehen haben. Bei der Uraufführung 1952 war Churchill noch Premierminister und hatte angeblich schon vor der Pause erraten, wer der Mörder ist.

Ursprünglich von der Autorin als ein halbstündiges Hörspiel zum 80. Geburtstag der Queen Mary mit dem Titel „Drei blinde Mäuse“ gesendet, machte Agatha Christie daraus ein Theaterstück. Sie verzichtete jedoch auf die Tantiemen und schenkte es ihrem damals neunjährigen Enkel. Dieser Großmut hat ihn zum vielfachen Millionär gemacht.

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